… my work


Ich wurde mal gefragt, wann mich persönlich ein Buch in seinen Bann zieht. Wann kann ich es nicht mehr aus der Hand legen, lese in jeder freien Minute, habe es immer griffbereit?

Zugegeben. Es gibt nicht viele Bücher, die das schaffen. Ich erwarte viel von einem Roman, der dies bei mir erreichen möchte.
Vielleicht bin ich deswegen selbst mein schärfster Kritiker.

Die Geschichte, die mich in ihrem Bann halten möchte, muss authentisch sein. Wobei dies nicht mit ›real‹ zu verwechseln ist. Wichtig ist, dass die Zusammenhänge logisch sind. Damit meine ich, dass bei Weitem nicht alles erklärt werden muss – ein wenig Spekulation macht das Ganze ja erst richtig spannend – aber es sollten keine irritierenden Fragen mehr offen sein. Die Handlung muss in sich stimmig sein und darf sich nicht widersprechen.

Weiterhin müssen die Charaktere Tiefe besitzen. Ich muss mich mit ihnen identifizieren können, wenn ich auch nicht immer alle Handlungen verstehen oder alle Ansichten der Protagonisten teilen muss. Aber selbst ein hauptcharakterlicher Bösewicht muss es schaffen, durch einen gewissen Charme zu bestechen. Mittels der gelesenen Zeilen in einen anderen Menschen schlüpfen zu können, ist für mich das Reizvolle einer guten Geschichte.

Die dritte Komponente ist ganz klar die Atmosphäre. Es ist schwierig, hier die richtige Würze zu finden … nicht zu viel beschreiben und dem Leser noch Raum lassen, aber dennoch atmosphärisch dicht schreiben. Ich muss mich in die Stimmung hineinversetzen können, die die Protagonisten umgeben. Ich muss sehen, was sie sehen, hören, was sie hören. Wenn ich lese, bin ich dort. Und nirgendwo anders.

Die gewählten Worte sollten wohl bedacht sein. Ich möchte weder einen Einkaufszettel lesen, noch permanent mit profanen Wortwiederholungen zu kämpfen haben. Auch hier bestimmt das Gleichgewicht das richtige Maß. Die Arbeit eines guten Lektoren ist hier wahrlich Gold wert. Während des Schreibens springe ich viel zwischen den Kapiteln hin und her, ergänze und verändere, dass ich oft nicht mehr weiß, welcher Ausdrücke ich mich ein paar Seiten zuvor noch bedient habe.

Wie arbeite ich?
Ich recherchiere, ich erfrage, ich mache mich ortskundig. Zunächst erwachen die Szenen in meinem Kopf, die Protagonisten bekommen ihre Dialoge, die Umgebung nimmt allmählich Gestalt an. Ich versuche verschiedene Sets, manchmal tausche ich die Protagonisten. Dies kann mehrere Tage, manchmal Wochen oder Monate dauern und so lange die Szene nicht ausgereift ist, ist sie noch zu labil, um geschrieben zu werden. Oder aber sie wird komplett wieder überworfen. Ich möchte meinen, dass ich mich als Perfektionist bezeichnen kann. Das ist Segen und Fluch zugleich.

Ich möchte meine Leser und Leserinnen in eine Welt mitnehmen, welche sie meinen zu kennen, welche für sie authentisch ist und die als Parallelwelt neben ihrer eigenen existiert und die doch so vollkommen anders ist.

Ich habe einen hohen Anspruch, was einen guten Roman betrifft. Ich habe einen hohen Anspruch an mich selbst und ich bemühe mich, dem gerecht zu werden, um meinen Lesern eine Welt zu schenken, die sie faszinieren wird.