Jetzt wird’s psychisch RELOADED | Interview vom 13.06.2017


 

Die Autoren AnBi Öz, Valerie Le Fiery, Frank Böhm und Bernd Schroeder haben am 13.07.2017 in Zusammenarbeit mit der Autorin Caro Sodar (Coverarbeit) ein Buch auf der Plattform bookrix.de veröffentlicht, in welchem 33 meiner KollegInnen aus dem Gay-Genre und ihre Leser mit 22 Fragen interviewt wurden.
Das Buch ist online lesbar oder als kostenloser Download (ePub erhältlich).

Ich freue mich, dass ich dabei sein konnte und dass ich die Erlaubnis erhalten habe, mein eigenes Interview auf diesen Seiten zu präsentieren.. 🙂

Das vollständige Buch mit allen 33 Interviews könnt Ihr hier aufrufen, lesen, downloaden. Ich wünsche gute Unterhaltung…

 


1. Wie würdest du dich selbst beschreiben? Es gibt ein Belohnungssternchen, wenn du es mit nur 5 Worten schaffst!

Lebensbejahend, Tierrechtsaktivist, leidenschaftlich, stur, frech.

2. Was glaubst du, wie andere Menschen dich wahrnehmen? Oder erinnerst du dich an eine Beschreibung von dir, die dir besonders gut/schlecht gefallen hat?

Teilweise impulsiv und ungezähmt, andererseits extrem diszipliniert, als sehr stolzen Vater, als Genießer, als lebensbejahend, als jemand der einiges hinter sich lassen musste und vieles erreicht hat, als bescheidenen Menschen (es braucht nicht viel, dass ich glücklich /zufrieden bin),

3. Beschreibe einen Leser/Autor/Lektor deiner Wahl, der dir besonders am Herzen liegt.

Mein Lektor ist gleichzeitig mein Verleger und Freund. Er ist ehrlich. Das ist wichtig. Ohne ihn wäre mein Debüt nicht der Roman, der er jetzt ist.

4. Autor: Was war dein schönstes/lustigstes/interessantestes Erlebnis mit einem Leser? Wenn du ein anderes Adjektiv verwenden möchtest, gerne. Auch negative Erlebnisse sind erlaubt. Du willst mehrere Erlebnisse erzählen? Nur zu, wir sind alle wissbegierig!

Positiv: es gibt eine Leserin, die die Thematik meines Debüts besser verstanden hat, als ich selbst. Ihre Sichtweise der Dinge macht mich oftmals im positiven Sinne sprachlos. Mit ihr zu schreiben ist, als würde ich als plötzlich Außenstehender in den Kopf meiner Protagonisten schauen und immer mehr Dinge erkennen und entdecken, die mir als Schöpfer der beiden verborgen geblieben sind. Das ist verwirrend, aber faszinierend zugleich.
Negativ: Ich bin ein sehr offener Mensch, aber auch ich habe meine persönlichen Grenzen.

5. Stell dir vor, du bist ein Tier. Welches wäre das und warum?

Ich wäre eine Katze. Ich bin nicht falsch (was den Tieren leider zu oft nachgesagt wird) … aber ich denke, ich habe zwei Seiten. Außerdem schlafe und schmuse ich gerne, bin eigensinnig und kann sehr scharfe Krallen haben.

6. Was bedeutet für dich Freundschaft/Liebe und wie unterscheiden sie sich?

Das ist schwierig. Ich empfinde die Übergänge fließend. Ich liebe meine Freunde. Ich habe eine sehr enge Bindung zu ihnen. Ich weiß, dass ich mich auf sie verlassen kann und würde umgekehrt ebenfalls mein Möglichstes tun, um für sie da zu sein. Im Idealfall sollte mein Partner jedoch auch bester Freund sein. Liebe und Freundschaft bedeuten mir immens viel, aber den Weg dorthin, sie als „wahr“ bezeichnen zu können, ist nicht leicht zu finden.

7. Autor: Hast du je überlegt das Schreiben an den Nagel zu hängen? Wenn ja, warum? Hast du manchmal Mitleid mit einer Seite oder dir selbst?

Ich habe immer wieder mit dem Schreiben aufgehört; meine längste Inaktivität hielt 15 Jahre an. Es passte einfach nicht mehr in mein sich veränderndes Leben. Andere Dinge hatten Priorität. Ich war mit dem Studium fertig, habe zu arbeiten begonnen und eine Familie gegründet. Ich habe nie bewusst darüber nachgedacht, es an den Nagel zu hängen. Warum auch? Es belastet mich nicht, ich bin frei, es zu tun und es macht mir ja Spaß, es fordert mich.

8. Porno! Was hast du dazu zu sagen? Lass es raus, wir sind unter uns.

Oh ^^… wenn sie leidenschaftlich sind, die Gefühle authentisch rüber kommen und die Darsteller nicht ständig ihr „Fuck me!“ quatschen oder beim Akt wie eine Quetschkommode stöhnen, schaue ich sie mir sehr gerne an. Am liebsten alleine. Wenn mein Partner zugegen ist, schaue ich ziemlich schnell nicht mehr hin, dann habe ich etwas viel Besseres zu tun * g*.

9. Was ist für dich das schlimmste Pseudonym für ‚des Mannes bestes Stück‘? Welches ist dein Liebstes?

Brunzrüssel … uh … geht echt gar nicht. O.O. Ich bin jetzt noch traumatisiert. Ehrlich.
Schwanz hingegen mag ich gern. Ich benutze dies jedoch nur in der wörtlichen Rede. Als Erzähler bemühe ich mich sehr, mich nicht umgangssprachlich oder gar vulgär auszudrücken. Die Schreibe muss für mich einen gewissen Stil haben, ich bin da sehr anspruchsvoll.

10. Gib uns ein Zitat aus einem Buch/einer Geschichte deiner Wahl. Das kann lustig/traurig/bewegend sein … ganz wie du magst. Was hat es mit dir gemacht?

Zitat: ›Bleib golden, Ponyboy‹ aus The Outsiders von Susan E.Hinton.
Ich habe das Buch gelesen, als ich 16 war. Dieses Zitat hat mich tief berührt. Kinder sind golden … wenn sie noch nicht verdorben wurden. Sich dies zu bewahren, ist etwas Besonderes. Es gibt nicht mehr viele Menschen, die ›golden‹ sind.

11. Hast du ein dunkles Geheimnis? Wenn ja, verrätst du es uns?

Ähm … nein… ^^. Ich trage so einiges Dunkle in mir. Aber das gehört mir und ist sicher verschlossen. Da habe ich lange dran gearbeitet um dennoch der zu sein, der ich heute bin.

12. Angenommen du kannst morgen wieder 16 sein, mit dem Wissensstand von heute. Würdest du diese zweite Chance nutzen wollen und wenn ja, was würdest du anders machen?

Gemessen an der Realität, würde ich sehr viel früher aktiv damit beginnen mich für die Rechte der Tiere einzusetzen. Andere … persönliche Dinge würden jedoch ähnlich verlaufen. Weil sie einfach zu viel mit der für mich nicht akzeptablen Interaktion beteiligter Menschen zu tun haben. Sie würden ihr Handeln nicht verändern … und ich würde daher immer gleich reagieren.

13. Wissen die Leute aus deinem Umfeld, dass du homoerotische Geschichten liest/schreibst? Wenn nein, warum nicht? Wenn ja, wie haben sie reagiert?

Meine engsten Freunde wissen es. Sie finden es in Ordnung. Die Thematik wundert sie jetzt nicht wirklich ^^ … eher, dass ich überhaupt schreibe ist für sie etwas Besonderes.
Von meinem Arbeitsleben halte ich es bewusst fern. Da ich mit Publikumsverkehr zu tun habe, reicht die persönliche Einstellung nicht, dass Homosexualität etwas Normales und nichts Beängstigendes ist. Ich muss mich neutral verhalten. Es hat dort nichts zu suchen. Es wird immer Menschen geben, die dies nicht verstehen und einen dafür verurteilen.
Und was meine Arbeitskollegen betrifft, würde es sich so anfühlen, als würde ich ihnen einen Blick in mein Schlafzimmer gewähren … ein No Go für meine Intimsphäre.

14. Was haben deine Eltern bei deiner Erziehung eindeutig falsch/richtig gemacht?

Ihre Erziehung hat mich zu einem Rebellen gemacht. Ich weiß mich zu wehren und ich ziehe Grenzen, wenn ich sie für notwendig halte.

15. Was bedeutet für dich das Internet?

Eine Bereicherung.

16. Autor: Was würdest du dir von deinen Lesern wünschen? Was sollen sie tun, was besser lassen? Möchtest du ein Plotbunny freilassen? Vielleicht fängt es ja jemand ein …

Ich würde mir wünschen, dass sie Dramen offener gegenüber stehen. Auch, dass sie mal ein trauriges Ende zulassen können und nicht immer in ihrer heilen „Zucker-Welt“ vor sich hin schwelgen. Dass sie sich trauen, ernsten Themen und der Realität ins Auge zu sehen, mitzugehen und alles zu fühlen, was wirklich tief geht.
Der Austausch mit vielen meiner Leser ist sehr gut… nicht wenige haben mein Angebot angenommen und Kontakt mit mir aufgenommen um mir ihre Gedanken zu meinem Debüt mitzuteilen. Das ist bereichernd und interessant. Weiterhin habe ich sehr umfangreiche, anspruchsvolle Rezensionen erhalten. Von der gesamten Art her ganz nach meinem Geschmack. Ich würde mich sehr freuen, wenn dies so bleiben würde.
Ich mag es, wenn über die Geschichte gefachsimpelt wird … wenn Ideen gesponnen werden, wenn geschwärmt, geliebt und auch gehasst wird. Es zeigt mir, dass meine Charaktere leben. Was gut ist. Was ich nicht mag, sind öffentliche krasse Spoiler. Ebenso habe ich in einer Rezension gelesen, dass bemängelt wurde, dass ich die Geschichte nur aus einer Protagonisten-Sicht schreibe. Es wurde ›gefordert‹, dass der zweite Band sich mit der Sicht eines/des (?) anderen Protagonisten befasst. Ich muss ganz klar sagen, dass diese Art von Erzählstil mir persönlich nicht liegt. Ich mag es mysteriös. Sowohl beim Lesen, als auch beim Schreiben. Es macht mehr Spaß zu spekulieren und man muss nicht alles wissen. Ist im wahren Leben ja auch nicht so. Wenn ich lese bzw. schreibe, tauche ich in die Gedankenwelt eines Charakters ein. Vielleicht identifiziere ich mich mit ihm. Zu wechseln bedeutet, dass ich mich jedes Mal da raus reißen muss. Das empfinde ich oftmals als anstrengend und eben auch nicht authentisch, weil ich es sonst ja auch nicht kann. Es befriedigt nur die Neugierde in beide Köpfe zu schauen, das macht es dann aber weniger spannend. Zumindest für mich. Diese Forderungen zu stellen, sollten Leser daher besser lassen … aber sonst… ja sonst dürfen sie natürlich alles meinen, sagen, mitteilen.
Und nö… bei Plotbunnys bin ich Eigen… vielleicht weil ich zu selbstkritisch bin und meiner Phantasie manchmal selbst nicht so recht über den Weg traue.

17. Glaubst du fest an etwas, dass du nicht beweisen kannst? Erläuterst du uns deine Theorie dazu?

Ich glaube, wir sind nicht die einzigen ›intelligenten‹ Lebewesen im Universum. Es wäre vermessen, dies zu behaupten.

18. Der Sommer deines Lebens. Wie alt warst du? Was hast du erlebt?

Es gibt mehrere Sommer die mir als positiv bedeutsam in Erinnerung geblieben sind. In meinem siebzehnten Sommer habe ich aber zum ersten Mal die tiefgreifende Erfahrung gemacht, dass meine Liebe erwidert wird und dass meine Empfindungen nichts Schlechtes sind. Das hat mich enorm nach vorn gebracht … und mehrere Schritte näher zu dem Menschen, der ich jetzt bin.

19. Autor: Wie viele Seiten Lesematerial produzierst du durchschnittlich pro Woche?

Oh … die Frage tut weh. O.O.

20. Was stört dich an dir selbst am meisten? Wie hoch schätzt du deine Chancen ein, das zu ändern?

Ich bin ein massiv gutgläubiger Mensch. Leider lerne ich trotz diverser Erfahrungen nicht, vorsichtiger zu sein. Meine Chancen schätze ich daher gegen Null ein.

21. Leser: Steht in deinem Bücherregal ein Buch, dessen Besitz dir peinlich ist? Autor: Hast du etwas veröffentlicht, was dir heute peinlich ist?

Zur Leserfrage: Ja, aber den Titel sage ich jetzt nicht. Die Autorin könnte mitlesen. Ich will nicht pietätlos sein.
Zur Autorenfrage: Veröffentlicht zum Glück nicht. Das ging damals noch nicht so leicht. Und wieder einmal sehe ich hier, dass alle Steine im Weg einen Sinn haben. Ich würde im Boden versinken. Tief.
(Aber ich habe es noch … und der Plot ist ok. Vielleicht schreibe ich es einfach irgendwann neu. Wer weiß?)

22. Hast du uns abschließend noch etwas zu sagen? Möchtest du uns etwas zeigen? Ein persönliches Motto mit auf den Weg geben?

Jegliche Veränderung fängt bei einem selbst an.