Winterzauber zum Advent | Fragen nach Marcel Proust | 03.12.2017

Unter den Worten ›Winterzauber zum Advent‹ hat mein Autorenkollege Kaiden Emerald in der Vorweihnachtszeit einen Adventskalender in Form von 26 Steckbriefen teilnehmender queerer Autoren auf seiner Facebookseite veröffentlicht. Mir gehörte das dritte Türchen. ^^. Ihr könnt den gesamten Adventkalender mir allen Steckbriefen auf › »Bookrix« ‹ runterladen.

Vorwort:

Marcel Proust (*1871 bis †1922) war ein französischer Schriftsteller und Sozialkritiker, welcher der Auffassung war, dass wir die Wirklichkeit nur in unserer Erinnerung besitzen. Somit ruht das Leben an sich konserviert in den Tiefen unseres Gedächtnisses. Auch ist eine Stunde nicht bloß eine Stunde, sondern vielmehr ein Gefäß, angereichert mit Düften, Klängen und Empfindungen. Das was wir ‚Wirklichkeit‘ nennen, setzt sich daher aus Sinneswahrnehmungen und dem Nachhall von Vergangenem zusammen. Der Schriftsteller führte zahlreiche Notizbücher, in denen er seine Denkwürdigkeiten detailliert niederschrieb und die weit über schlichte Tagebucheinträge hinausgingen, wodurch er sein eigenes Gedächtnis beispielsweise nach seiner Kindheit durchforstete. Letztlich entstand eine etwa 4.000 Seiten lange Biografie mit allen wichtigen Gedankenfetzen seiner Vergangenheit, um so die Wirklichkeit festzuhalten. Neben vielen Essays erschuf er auch das Werk „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“, das als einer der bedeutendsten Romane des zwanzigsten Jahrhunderts gilt.
Neben der Eigenerforschung hat ihn auch interessiert, was seine Zeitgenossen dachten und welche Vorlieben sie hatten. Um dies zu ergründen, entwarf er einen Fragebogen, der mit seinen tiefgründigen Fragen auch heute noch zur Eigenreflexion zwingt. 26 mutige Autoren haben den Fragebogen nach Marcel Proust beantwortet und werden nachfolgend aufgeführt.

Kaiden Emerald


Wo möchten Sie leben?

In Großbritannien oder in den Niederlanden, welches GB von der Architektur her sehr ähnelt. Leider bin ich jedoch familiär und beruflich an Deutschland gebunden. Die Auswanderung wird daher noch eine Weile auf sich warten lassen müssen. ^^ Ansonsten mag ich es so, wie ich aktuell lebe. Ich bin weder ein reiner Land- noch ausschließlich ein Stadtmensch. Ich mag die Natur. Liebe neben vielen kleinen Entdeckungen ihren Geruch und ihre Stille und lebe daher gern im Grünen, habe die Stadt jedoch in Reichweite.

Was ist für Sie das vollkommene irdische Glück?

Für mich persönlich: Gesund zu sein und tun und lassen zu können, was ich will und für richtig halte. Dies schließt mit ein, dass mein Wesen innerlich ausgeglichen ist und ich mich wirklich als sorglos bezeichnen kann. Da ich ziemlich empathisch bin, ist jedoch auch unerlässlich, dass die Menschen, die mir wichtig sind, ebenfalls glücklich und gesund sind. Global gesehen wäre es wohl, wenn das überdimensional große Leid unserer Mit-Erdenbewohner, der Tiere, in jeglicher Hinsicht endet und wir alle miteinander in Achtung und Frieden leben. Dies bedeutet natürlich auch, dass die Menschen aufhören einander zu bekämpfen und für eigentlich recht unbedeutende Dinge beginnen, miteinander Krieg zu führen und Handel einzugehen.

Was ist für Sie das größte Unglück?

Verlust durch den Tod. Wenn der Tod eines Lebewesens – gleich welcher Art – unsinnig geschieht und schlimmstenfalls noch gewaltsam herbeigeführt wurde.

Ihre liebsten Romanhelden?

Calanthe.

Ihre Lieblingsbeschäftigung?

Skaten (nein … keine Inline-Skates) und lieben ^^. Gute Mischung, wie ich finde.

Ihre Helden der Wirklichkeit?

Ich habe großen Respekt vor Menschen, die sich selbstlos für Schwächere gleich welcher Spezies einsetzen. Erkannt oder unerkannt.

Ihre Heldinnen in der Geschichte?

Jegliche humane Widerstandskämpfer und Rebellen gegen totalitäre und diktatorische Machtinhaber.

Welche Fehler entschuldigen Sie am ehesten?

Fehler, die aufgrund eines über – bzw. ohnmächtigen Gefühls oder aus Unwissenheit gemacht wurden.

Welches sind Ihre persönlichen Stärken?

Ich höre zu. Weiterhin versuche ich mein Handeln zu reflektieren, denn jegliche Veränderung fängt bei einem selbst an.

Was schätzen Sie bei Ihren Freunden am meisten?

Dass sie mich akzeptieren, wie ich bin. Mit all meinen Eigenarten, Vorlieben und Fehlern.

Ihr größter Fehler?

Ist bislang noch nicht absehbar.

Was verabscheuen Sie am meisten?

Dumme und ignorante Menschen.

Was ist für Sie die wichtigste Erfindung der letzten hundert Jahre?

Da gibt es so einiges, auf das ich persönlich nicht verzichten möchte und was mir wichtig ist. Autos, Telefon, das Internet, Fotografien.
Global gesehen würde ich jedoch das Internet sagen, denn auch, wenn alles immer eine zweischneidige Sache ist: Die Vernetzung der Menschen weltweit kann zum Sturz von Diktaturen beitragen, sie kann aufklären, informieren und viel Gutes erreichen.

Ihre LieblingsschriftsstellerInnen?

Stephen King.

Ihre Lieblingsmusik?

Größtenteils Independent, vereinzelt Punk, Metal und Gothic.
Um jedoch einige meiner Favoriten der letzten Monate zu nennen: Ganz klar Anathema, dann Editors, Interpool, Blacklist, Coldplay und Blackfield. Ihre Musik hilft mir definitiv, mich beim Schreiben in die Szenen besser einzufinden.
Ansonsten bevorzuge ich in den oben genannten Genres vieles querfeldein. Ich liebe Nirvana.

Wer oder was hätten Sie sein mögen?

Da gibt es ehrlich gesagt niemand bestimmten.
Aber ich hätte gerne den Einfluss, all die verrückten und in ihrer Grausamkeit nicht begreifbaren Dinge, die in unserer Welt geschehen, verhindern zu können und ferner die Verantwortlichen vom Gegenteil zu überzeugen zu können. Klares Wunschdenken. Ich weiß.
Nur ›was‹ ich hätte sein mögen? Schwierig. ^^ Bananen haben ein kurzes Leben und als Sprühsahne oder Schokocreme fühlt man sich schnell leer … Hm.

Ihre Lieblingsfarbe? 

Alle dunklen Farben. Ein Blick in meinen Kleiderschrank würde die Frage allerdings schlichtweg mit ›Schwarz‹ beantworten.

Welche drei Gegenstände nehmen Sie mit auf eine einsame Insel?

Hmmm … Es ist eine Südsee-Insel, ok? Nun … da Gegenstände keine Menschen sind, gehe ich mal davon aus, dass ich mich von diesen nicht trennen muss.
a) Meine Cappy
b) Eine vollgetankte und gut ausgestattete Yacht *g
c) und eine Bedienungsanleitung, wie ich dieses Ding zu fahren habe, wenn mich der Wunsch überkommt, das weit entfernte Festland zu erreichen.

Welche natürliche Gabe möchten Sie besitzen?

Besonnenheit. Ich möchte weniger impulsiv reagieren.

Wie möchten Sie gern sterben?

Glücklich, schmerzfrei und geliebt. Ich möchte alles erreicht und getan haben, wonach ich gestrebt und was ich mir vorgenommen habe. Ich möchte mit dem Wissen gehen, dass meine Kinder gut versorgt sind und es meinem Partner gut geht.

Ihre gegenwärtige Geistesverfassung?

Voller leidenschaftlicher Energie. ^^

Ihr Motto?

Was ich mir selbst immer wieder vor Augen halte, sind zwei Sätze. Den einen habe ich durch den Veganismus kennengelernt und für mich behandelt er nicht nur diesen bezüglich der Tiere, sondern meinen ganzen Lebenswandel: ›Alles ist zu achten.‹ Ich denke, der sagt eine Menge aus, wie ich versuche zu leben. Den Tieren, der Natur und auch meinen Mitmenschen gegenüber. Daraus leitet sich ein weiterer Satz ab: ›Jegliche Veränderung fängt bei einem selbst an.‹ Das ist leicht gesagt, aber so wahr. Diesen Satz zu leben, bedeutet jede Menge Arbeit. Oftmals unangenehm, aber man kann auch einen Goldregen ernten, wenn man ihn befolgt. Denn die meisten Menschen, denen ich begegne, halten es so, dass sie erst einmal ihr Gegenüber erwartungsvoll anblicken, anstatt zu schauen, was sie selbst verändern können. Wenn ich ein Problem mit etwas habe, liegt es vorrangig an mir, mich zu verändern, damit es mir keine Probleme mehr bereitet. Einen anderen Menschen wird man nie verändern können.

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