Leseprobe II | Der steinerne Garten Bd. 1


Jugendschutzhinweis: In diesem Buch werden fiktive erotische Phantasien geschildert. Im realen Leben dürfen Erotik und sexuelle Handlungen jeder Art ausschließlich zwischen gleichberechtigten Partnern im gegenseitigen Einvernehmen stattfinden. Der Inhalt dieses Buches ist für Personen unter 16 Jahren nicht geeignet.


Etwa zwei Wochen später fuhr Riley abrupt durch einen lauten Knall aus dem Schlaf hoch und blinzelte irritiert gegen das grelle Deckenlicht an, welches sein Zimmer urplötzlich durchflutete. Er registrierte vage, dass seine Zimmertür weit offen stand. Vermutlich hatte diese das laute Geräusch verursacht, als sie beim Öffnen gegen die Wand geknallt worden war, doch ehe er die Situation auch nur ansatzweise begreifen konnte, bemerkte er zu seinem Schrecken, dass Nathanyel gleich einem Racheengel vor seinem Bett stand und wütend auf ihn hinab funkelte.
»Himmel … verrückt?«, nuschelte er und rieb sich über das Gesicht. Er wandte den Kopf und überlegte, ob er die Kraft aufbringen konnte sein Handy zu aktivieren, um einen prüfenden Blick auf die Uhrzeit zu werfen. Müde strich er sich die Haare aus den Augen. »Was ist denn los?«, murmelte er und gähnte.
Nathanyel schnaubte gereizt. »Sie. Haben. Meinen. Saft. Ausgetrunken«, stieß er zähneknirschend hervor und streckte ihm provokant eine leere Glasflasche ins Gesicht, auf deren Boden eine kleine gelbe Pfütze verriet, dass es sich bei dem Inhalt mal um Orangensaft gehandelt hatte. Verstört blinzelte Riley zu ihm hinauf.
Stimmt. Da war was. Ich hatte Durst.
»Es war nichts anderes mehr da«, knurrte er. Musste er wirklich zu nachtschlafender Zeit eine solche Unterhaltung führen?
»Dieses Haus verfügt über einen Wasseranschluss, sollten Sie das noch nicht bemerkt haben!« Nathanyels Lippen begannen zu zittern. »Rot! Diese Flasche hatte einen roten Kleber! Das war meine Flasche. Und ich sagte Ihnen bereits mehrfach, dass alles, was mit Rot gekennzeichnet ist, für Sie tabu ist! Findet dieser Ausdruck in Ihrem ausgesprochen mangelhaft eloquenten Sprachschatz irgendeine Konnotation, Riley?!«
Riley zog eine abfällige Grimasse. »Reden Sie verständlich, ich bin nicht so klug wie Sie«, grummelte er unwirsch.
»Schon bemerkt.« Nathanyel holte aus und schmetterte die Flasche zornig gegen die Wand. Tausende kleine Glassplitter flogen durch die Gegend und die Saftpfütze hinterließ einen hässlichen Flecken auf der Wand.
Riley hob schützend den Arm über den Kopf und zuckte erschrocken zusammen. Mit einem Schlag war er hellwach. »Scheiße, sind Sie irre? Es war nur Saft!«
»Es war mein Saft! Und ich trinke immer, wenn ich um halb sieben vom Laufen komme, meinen Saft! Jetzt ist es bereits viertel vor sieben und ich habe keinen Saft trinken können, weil Sie anscheinend nicht fähig sind, die schlichte Order zu begreifen, dass die Farbe Rot ein Tabu signalisiert!« Nathanyel schloss für einen Moment die Augen und Riley beobachtete beunruhigt, wie sein Gesicht wieder diese merkwürdigen Zuckungen bekam. »Meine Lebensmittel werden heute erst gegen acht Uhr gebracht und mit dieser unüberlegten und äußerst dummen Handlung haben Sie mir den gesamten Tag versaut
Verdammt, jetzt schrei doch nicht so. Ich bin nicht taub!
»Glauben Sie eigentlich an das, was Sie da von sich geben?«, fragte Riley genervt und musterte Nathanyel mit unverhohlenem Zweifel an dessen gesundem Menschenverstand.
Du drehst ja voll ab, Pritchard. Nur weil ich dir deinen Saft ausgetrunken habe. Herrgott! Es ist nur Saft gewesen! Wie kann einem so etwas den ganzen Tag versauen?
Nathanyel strich sich mit zitternden Händen die Haare aus dem Gesicht nach hinten. Dann ließ er die Hände fallen und starrte düster auf ihn hinunter. »Wenn Sie heute den allgemeinen Einkauf erledigen, werden Sie mir meine Flasche Orangensaft ersetzen.«
»Jaaa, guuut.« Riley verdrehte die Augen. »Ich kaufe dir deinen verfickten Saft«, zischte er kaum hörbar und warf sich wieder in die Kissen. Als er bemerkte, dass Nathanyel jedoch keinerlei Anstalten machte zu gehen, ballte er die Hände zu Fäusten. »Kann ich jetzt weiter pennen? Bitte
Im Klartext: Verpiss dich endlich aus meinem Zimmer.
Nathanyel presste die Lippen aufeinander und drehte sich um. Mit der Faust hämmerte er auf den Lichtschalter, blieb jedoch auf der Schwelle zum Zimmer stehen. »Riley.«
Gereizt setzte Riley sich auf und starrte zur Tür. »Was?«
Nathanyels Umriss hob sich dunkel vor der Morgendämmerung ab, welche sich bereits einen Weg durch das Fenster im Hausflur suchte. »Machen Sie das nie wieder«, sagte er kalt. Dann ging er hinaus und knallte die Tür hinter sich zu.
Riley grunzte spöttisch und schüttelte den Kopf. »Was für ein Spinner«, brummte er und ließ sich zurück ins Bett fallen.


Auszug aus ›Der steinerne Garten‹.
© J. V. Reeves