Leseprobe I | Die Scherben seiner Seele Bd. 2


Jugendschutzhinweis: In diesem Buch werden fiktive erotische Phantasien geschildert. Im realen Leben dürfen Erotik und sexuelle Handlungen jeder Art ausschließlich zwischen gleichberechtigten Partnern im gegenseitigen Einvernehmen stattfinden. Der Inhalt dieses Buches ist für Personen unter 16 Jahren nicht geeignet.


Kapitel 1 [Auszug]

Für einen Moment war es beinahe still. Die Vögel hielten in ihrem morgendlichen Gesang inne und Riley Buchanan verharrte bewegungslos, als er seinen Blick über die unberührte Landschaft gleiten ließ, welche im frühen Morgendunst mit ihren blaugrünen Farben ein nahezu vollkommenes Bild natürlicher Schöpfung zeichnete. Ein kühler Wind zerzauste sein Haar, als dieser über seinen Kopf hinweg strich, stetig suchend und doch niemals ruhend. Am Horizont kündigte ein blasser violetter Streif bereits den neuen Morgen an, doch das Tageslicht kroch nur allmählich über die vor ihm liegende Wiese, um sich schließlich, in dem hierzulande eher seltenen Anblick eines kleinen Stückchen undurchsichtigen Laubwaldes in der Ferne zu verlieren. Das Gras war feucht, die Luft roch herb und erdig.
Riley trat einen Schritt von dem Geländer zurück, vergrub sein Gesicht in seiner Armbeuge und lauschte ein paar wertvollen Sekunden den wenigen Geräuschen, die ihn umgaben. Er hörte den Wind durch das entfernte Blätterwerk rauschen und das vereinzelte Rufen eines Uhus, bis ihn das sichere Gefühl beschlich, dass ihm das Bild dieser morgendlichen Schönheit der Natur nicht mehr allein gehörte. Er hob den Kopf und schlug die Augen auf.
Dunkles glänzendes Braun richtete sich auf ihn. Mitten auf der Wiese stand ein Reh. Wachsam und still suchte es seinen Blick.
ES IST WEG.
Rileys Augen begannen zu flackern. Er gab einen unwilligen Ton von sich und fuhr sich über den Mund.
Denk jetzt nicht dran. Das wolltest du bleiben lassen.
Er holte tief Luft und schnaufte. Plötzlich schoben sich warme Hände unter sein Shirt, glitten über seine Hüften und legten sich auf seinen Bauch; die Fingerspitzen wanderten in den Bund seiner Boxershorts und drückten fordernd zu. Riley zuckte zusammen, richtete sich auf und versteifte sich im ersten Moment kaum merklich, doch eine Sekunde später fiel die Anspannung von ihm ab und er ließ es zu, sich von dem Körper, der hinter ihn getreten war, auffangen zu lassen. Den Hinterkopf gegen den Schulterknochen des anderen gelehnt, beobachtete er, wie das Reh auf-gescheucht in langen Sätzen davon sprang und wieder im dichten Dickicht des Waldes verschwand. Ein schmerzhafter Stich jagte durch seine Brust.
Fort …
»Was machst du denn hier draußen … zu dieser Uhrzeit?«, flüsterte eine Stimme nahe an seinem Ohr. »Es ist doch viel zu kalt.«
Weiche Lippen schnappten nach seinem Ohrläppchen und sogen es mitsamt des Plugs in das Innere eines warmen Mundes. Riley spürte wie sich Zähne sanft in sein Fleisch gruben und er neigte den Kopf auf die Seite und schloss für einen Moment die Augen. Die Zärtlichkeiten taten gut. Und auch wenn er sie als nicht bedeutsam zu realisieren wusste, wirkten sie wie Balsam auf ihn. Balsam – nach dem seine Seele gierte. »Ich konnte nicht mehr schlafen«, murmelte er.
Der Mund an seinem Ohr schmunzelte mit einem leisen Raunen, welches ihm eine Gänsehaut über den Rücken jagte. »Du hättest mich doch wecken können.«
Riley antwortete nicht. Es war nicht neu für ihn, dass er erst spät einschlief und trotzdem bereits in den frühen Morgenstunden wieder erwachte. Seit Monaten kämpfte er gegen eine andauernde Müdigkeit an; die Ausgeburt seiner inneren Leere und ebenso engste Vertraute der Schatten, die ihn Nacht für Nacht einholten … und ihn zu ersticken drohten.
ICH BRING DICH UM. HEUTE. WERDE ICH DICH UMBRINGEN.
Die Lippen wanderten tiefer und liebkosten nun die Tätowierung an seinen Hals. »Bleibst du noch zum Frühstück?«
Riley atmete tief ein.
Bleiben …
Das tat er eigentlich nie. Bislang hatten die exzessiven sexuellen Aktivitäten des letzten Vierteljahres jeglichen Anzeichen von Beziehung erfolgreich getrotzt und oftmals hatte er noch nicht einmal mehr den Namen des Menschen gewusst, an dessen Körper er sich bedient hatte. Er war wenig wählerisch gewesen und es war ihm gleichgültig gewesen ob Mann oder Frau, jünger oder älter, vergeben oder frei. Um die quälenden Gedanken in seinem Kopf zu unterbinden hatte er so einiges getan, was ihm für diesen Zweck hilfreich erschien. Und die meiste Zeit war er dabei erfolgreich gewesen.
Kaum merklich schüttelte er den Kopf. Auch diesmal würde er es nicht tun. Bleiben.
Zuneigung … muss man sich verdienen, Buchanan.
»Komm …« Die Hände auf seinen Hüften drehten ihn und einen Moment später sah er den jungen Mann an, der seinen Blick mit einem schlagenden Lächeln erwi-derte und ihn mit einem sehnsüchtigen Funkeln in den dunklen Augen musterte. Eine Hand schob sich in die Seine und zog ihn in Richtung der offen stehenden Balkontür. »Lass uns wieder reingehen …«
Riley blinzelte. Wieder einmal musste er sich eingestehen, dass er auch den Jackpot-Gewinner der letzten Nacht nicht zu identifizieren wusste. Aber spielte dies eigentlich irgendeine Rolle?
Seine Aufmerksamkeit verweilte nur kurz auf dem Körper des Fremden, welcher vor ihm in die Knie ging und ihm die Shorts über die kantigen Hüften zog. Mit dem Gesäß gegen eine Kommode gelehnt, wandte er das Gesicht ab, sein Blick stolperte wieder hinaus, suchend und sehnsüchtig. Es war nur ein Gefühl gewesen, als seine Augen die des Tieres erfasst hatten. Aber es war voller Schmerz gewesen.
Er ließ den Kopf in den Nacken fallen und schloss die Augen, als er die Zunge und die Wärme des Mundes spürte, die sein Geschlecht voller Leidenschaft liebkosten. Zaghaft tauchte er mit den Händen in den Haarschopf des Fremden. Erkundete den Hinterkopf, rieb die weichen Haare zwischen seinen Fingerspitzen. Und wieder passierte es. Wie es jedes Mal passierte. Blond wurde zu schwarz. Und braune Augen zu hellgrauen.
Egal was er auch tun würde; egal was passieren würde und egal wie vielen na-menlosen Menschen er sich auch hingeben würde … Sie würden niemals einander gehen lassen. Er würde ihn nicht gehen lassen. Hatten zärtliche Gefühle jemals einen Geschmack gehabt? Falls ja … so schien seine Zunge taub geworden zu sein.


Nicht lektorierte Vorschau aus ›Die Scherben seiner Seele Bd. 2
Fortsetzung von ›Der steinerne Garten Bd. 1
© J. V. Reeves